74 Prozent sind laut »OBSERVER« Umfrage bereit für eine Fünf-Tage-Woche
Die zweite Auflage der »OBSERVER« Umfrage unter Studierenden widerspricht erneut dem Vorurteil einer arbeitsunwilligen jungen Generation. Fast drei Viertel der Befragten wollen fünf Tage pro Woche arbeiten, mehr als die Hälfte kann sich eine 40-Stunden-Woche vorstellen. Die Leistungsbereitschaft steigt im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig haben junge Talente klare Erwartungen an Gehalt, Führung und Arbeitsbedingungen.
Wien, 19. Oktober 2026. Die Generation Z will möglichst wenig arbeiten, bevorzugt die Vier-Tage-Woche und lehnt klassische Vollzeitjobs ab? Die aktuellen Ergebnisse der zweiten Auflage der »OBSERVER« Umfrage unter 144 Studierenden in Österreich zeichnet ein deutlich anderes Bild.
Laut der im Herbst 2026 durchgeführten Online-Umfrage unter österreichischen Studierenden sind 74 Prozent bereit, fünf Tage pro Woche zu arbeiten. Das entspricht einem Anstieg um vier Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.
Auch die klassische 40-Stunden-Woche ist für viele kein Ausschlusskriterium: 51 Prozent (+ 5 %) können sich eine Wochenarbeitszeit von bis zu 40 Stunden vorstellen, weitere elf Prozent wären sogar bereit, mehr als 40 Stunden zu arbeiten. Weitere 28 Prozent nennen bis zu 35 Wochenstunden.
Die zweite Auflage der »OBSERVER« Studie widerspricht damit der pauschalen Annahme, junge Menschen würden sich grundsätzlich von klassischen Arbeitsmodellen verabschieden. Vielmehr zeigt sich eine hohe Bereitschaft, sich beruflich zu engagieren und eine reguläre Vollzeitbeschäftigung anzunehmen.
Präsentiert wurden die neuen Ergebnisse bei dem PRVA-Event "Talent Garden" am 15. Oktober im JO&JOE am Wiener Westbahnhof. Die Veranstaltung wurde bereits zum fünften Mal vom Public Relations Verband Austria zusammen mit »OBSERVER« ausgetragen.
Junge Talente wollen Leistung bringen – erwarten aber faire Rahmenbedingungen
Die Bereitschaft zu arbeiten bedeutet allerdings nicht, dass Studierende jeden Arbeitsplatz und jede Arbeitsbedingung akzeptieren. Die Umfrage macht deutlich, dass junge Menschen klare Vorstellungen davon haben, was attraktive Arbeitgeber:innen ausmacht.
An erster Stelle steht ein gutes Gehalt mit 113 Nennungen (+13). Dahinter folgen ein gutes Team (75 Nennungen, +5), flexible Arbeitszeiten (53, +5), Homeoffice-Möglichkeiten (49, +16) und berufliche Aufstiegschancen (44, +8).
Kriterien für Arbeitsplatz:
- gutes Gehalt (113 Nennungen, +13)
- gutes Team (75 Nennungen, +5)
- flexible Arbeitszeiten (53 Nennungen, +5)
- HomeOffice-Möglichkeiten (49 Nennungen, +16)
- Aufstiegschancen (44 Nennungen, +8)
- kreative Entfaltung (33 Nennungen, -5)
Insbesondere Homeoffice gewinnt gegenüber dem Vorjahr deutlich an Bedeutung und verzeichnet ein Plus von 16 Nennungen.
Auch eine ausgewogene Work-Life-Balance ist für die Befragten wesentlich: Insgesamt 94 Prozent bewerten diese als wichtig oder sehr wichtig. Das muss jedoch kein Widerspruch zur hohen Arbeitsbereitschaft sein. Vielmehr verdeutlichen die Ergebnisse, dass junge Menschen durchaus bereit sind, eine volle Arbeitswoche zu leisten, gleichzeitig aber Wert auf Flexibilität, Planbarkeit und ausreichend Freizeit legen.
Für Unternehmen ergibt sich daraus eine wichtige Erkenntnis: Nicht die fehlende Bereitschaft zu arbeiten steht im Vordergrund, sondern die Frage, unter welchen Bedingungen junge Talente ihre Arbeitskraft einbringen möchten.
Wertschätzung und Kommunikation wichtiger denn je
Neben Gehalt und Arbeitszeit spielt die Führungskultur eine zentrale Rolle. Die Ergebnisse zeigen, dass junge Menschen hohe Erwartungen an ihre zukünftigen Vorgesetzten stellen.
Mit 133 Nennungen ist ein wertschätzender Umgang die mit Abstand wichtigste Eigenschaft einer guten Führungskraft. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg um 24 Nennungen.
An zweiter Stelle folgt gute Kommunikation mit 101 Nennungen. Besonders bemerkenswert ist hier die Entwicklung im Jahresvergleich: Mit einem Plus von 29 Nennungen verzeichnet dieser Bereich den stärksten Zuwachs. Ehrliches Feedback (83 Nennungen, +17), Empathie und Verständnis (60, +12) sowie die Übertragung von Verantwortung (60, +1) zählen ebenfalls zu den zentralen Erwartungen.
Fachliche Kompetenz wird hingegen 54-mal genannt und liegt damit hinter den wichtigsten zwischenmenschlichen Fähigkeiten.
Erwartungen an Führungskraft:
- wertschätzender Umgang (133 Nennunen, +24)
- gute Kommunikation (101, +29)
- ehrliches Feedback (83, +17)
- Übertragung von Verantwortung (60, +1)
- Empathie/Verständnis (60, +12)
- fachliche Kompetenz (54, -5)
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Arbeitgeber:innen junge Fachkräfte nicht allein durch finanzielle Anreize gewinnen können. Ebenso entscheidend ist eine Unternehmenskultur, die von Respekt, offener Kommunikation und gegenseitigem Vertrauen geprägt ist.
Flexible Arbeitszeiten und Weiterbildung als wichtigste Benefits
Auch bei den gewünschten Zusatzleistungen zeigt sich ein klares Bild. Flexible Arbeitszeiten liegen mit 127 Nennungen an erster Stelle und verzeichnen gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 27 Nennungen.
Auf Platz zwei folgen Weiterbildungsmöglichkeiten (103 Nennungen, +16), gefolgt von Gesundheitsangeboten (84, +16) und betrieblicher Altersvorsorge (73, +16).
Die hohe Bedeutung von Weiterbildung unterstreicht, dass viele Studierende ihre berufliche Zukunft aktiv gestalten und sich fachlich weiterentwickeln möchten.
Dazu passt auch das Verständnis von beruflichem Erfolg: Am häufigsten wird darunter verstanden, einer Tätigkeit nachzugehen, die Spaß macht (112 Nennungen, +8).
Ein hohes Gehalt (85, +8), eine gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit (73, +9) sowie die kontinuierliche fachliche Weiterentwicklung (72, +11) folgen dahinter. Eine Führungsposition zu erreichen, wird hingegen nur 39-mal (+4) genannt.
Junge Menschen definieren beruflichen Erfolg somit nicht ausschließlich über Status oder hierarchischen Aufstieg. Sie möchten einer sinnvollen und interessanten Tätigkeit nachgehen, sich weiterentwickeln und dafür angemessen entlohnt werden.
Fazit: Was Unternehmen aus den Ergebnissen lernen können
Die »OBSERVER« Studienergebnisse 2026 liefern wichtige Erkenntnisse für Recruiting, Employer Branding und Personalmanagement. Gerade angesichts der Diskussionen über die Arbeitsmoral jüngerer Generationen lohnt sich ein differenzierter Blick auf deren tatsächliche Erwartungen.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Bereitschaft zu einer klassischen Fünf-Tage-Woche unter den befragten Studierenden nicht nur hoch ist, sondern im Vergleich zum Vorjahr sogar zugenommen hat. Auch ein Arbeitsausmaß von bis zu 40 Stunden pro Woche ist für die Mehrheit vorstellbar.
Unternehmen sollten daher weniger die vermeintlich mangelnde Leistungsbereitschaft junger Menschen in den Mittelpunkt stellen, sondern sich stärker mit den Bedingungen auseinandersetzen, die sie als Arbeitgeber attraktiv machen.
Faire Bezahlung, eine wertschätzende Führungskultur, gute interne Kommunikation und flexible Arbeitsbedingungen können dabei entscheidende Wettbewerbsvorteile im Kampf um qualifizierte Nachwuchskräfte sein.
"Die Ergebnisse unserer Studie widerlegen ein weitverbreitetes Vorurteil: Junge Menschen sind keineswegs arbeitsscheu. Im Gegenteil – die große Mehrheit ist bereit, fünf Tage pro Woche zu arbeiten, und viele können sich auch eine klassische 40-Stunden-Woche vorstellen. Besonders bemerkenswert ist, dass diese Bereitschaft im Vergleich zum Vorjahr sogar gestiegen ist. Wir sollten daher aufhören, der jungen Generation mangelnden Arbeitswillen zu unterstellen. Vielmehr sind die Unternehmen gefordert, attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen. Denn die Studierenden wollen arbeiten, erwarten dafür aber zu Recht ein faires Gehalt, Wertschätzung und eine gute Führungskultur“,
fasst Stephan Ifkovits, Initiator der Studie und Head of Marketing & Communications bei »OBSERVER«, die Ergebnisse zusammen.
»OBSERVER« betont, dass die Studie keinen repräsentativen Anspruch erhebt, jedoch ein deutliches Stimmungsbild zeichnet.